Trainingstipps und Ausbildungsgedanken.
 
Geschrieben von Kathrin Heldt

Teil 1 Im Training lohnt es sich, konsequent vom Ergebnis her zu denken.
Nicht vom Bild, das es nach außen abgibt, und auch nicht davon, wie souverän oder „fertig“ etwas wirkt.
Eine Trainingseinheit ist dann gut, wenn sie den Hund in seiner Entwicklung ein Stück weiterbringt.
Ob das für Umstehende spektakulär oder beeindruckend aussieht, ist dabei zweitrangig. Oft ist es sogar genau andersherum.
Persönliche Eitelkeiten stehen dieser Sichtweise schnell im Weg. Der Wunsch, zu zeigen, wie weit man ist, wie gut etwas aussieht oder wie toll sich der Hund präsentiert, lenkt vom eigentlichen Ziel ab. Im Training geht es nicht um Außenwirkung, sondern ums Lernen.
Manchmal bedeutet das, bewusst unsaubere Bilder auszuhalten.
Manchmal auch, eine Einheit früh zu beenden, weil der Lernpunkt erreicht ist – selbst wenn es nach außen wenig hergibt.
Entwicklung entsteht nicht durch das, was gut aussieht, sondern durch das, was beim Hund hängen bleibt.

Teil 2 Im Hundesport wird Intensität oft überschätzt. Lange Einheiten, hohe Frequenz – all das wirkt nach außen wie Einsatz und Ehrgeiz. Für die tatsächliche Entwicklung des Hundes ist das jedoch selten der entscheidende Faktor.
Was langfristig wirkt, ist Konstanz. Training, das regelmäßig stattfindet, in klaren Strukturen, mit überschaubaren Zielen und Wiederholungen. Nicht jede Einheit muss fordernd sein, nicht jede Woche spektakulär.
Zur Konstanz gehört auch, nicht ständig die Methode zu wechseln. Training braucht Zeit, um beim Hund anzukommen. Abläufe müssen sich setzen dürfen, Zusammenhänge müssen verstanden werden. Wer jede Woche etwas Neues beginnt, nimmt dem Hund genau diese Möglichkeit.
Konstantes Training schafft Sicherheit. Für den Hund, weil Erwartungen klar bleiben und sich festigen können. Für den Hundeführer, weil sich Abläufe bilden und Routinen entwickeln. Intensität kann punktuell sinnvoll sein, ersetzt aber keine regelmäßige Wiederholung.
Viele Fortschritte entstehen dort, wo man bereit ist, dem Prozess zu vertrauen. Auch dann, wenn sich nicht innerhalb weniger Tage ein Ergebnis zeigt. Entwicklung passiert selten schnell, aber nachhaltig, wenn Training verlässlich und für den Hund nachvollziehbar ist.

Teil 3 Im Training wird eine spektakuläre Ausführung oft höher gewichtet als Zuverlässigkeit. Viele trainieren für höher, schneller, weiter. Mehr Ausdruck, mehr Dynamik, mehr Risiko. Dabei entscheidet am Ende selten die maximale Leistung, sondern die abrufbare.
Eine saubere, zuverlässige Arbeit, die auch unter Druck, bei schwierigen Bedingungen oder an einem schlechten Tag funktioniert, ist mehr wert als eine brillante Ausführung mit hohem Fehlerrisiko.
Hunde gewinnen Prüfungen nicht mit dem, was theoretisch möglich wäre. Sie bestehen sie mit dem, was sie sicher leisten können - auch dann, wenn etwas nicht ideal läuft. Training heißt deshalb nicht, ständig an die Grenze zu gehen, sondern diese Grenze zu kennen und zu wissen, wie verlässlich die Arbeit davor ist. Zuverlässigkeit ist oft nicht spektakulär. Aber sie entscheidet in der Prüfung und über Jahre hinweg.
Deshalb gehen wir mit unseren Hunden auch ab einem bestimmten Punkt bewusst in die Abläufe, zeigen Routinen und Bilder, die auf der Prüfung wiederkehren. Irgendwann im Verlaufe der Ausbildung kommt es nicht mehr nur darauf an, an den Details zu feilen. Es muss auch Raum geben für das Zusammensetzen des Puzzels. Nur so können unsere Hunde uns aufzeigen, wo wir noch Lücken haben, wo Denkblockaden entstanden sind oder die Motivation fehlt. Und das schon lange, bevor wir sie mit der Prüfungssituation konfrontieren.

Teil 4 Hundetraining ist vor allem eines: Handwerk.
Es entsteht nicht am Schreibtisch und nicht im theoretischen Durchdringen von Konzepten, sondern in der Arbeit mit echten Hunden. Unter Bedingungen, die wir nicht immer vollständig kontrollieren können. Mit Individuen, die wir manchmal nicht in Gänze erklären oder verstehen können.
Theoretisches Wissen hilft, Zusammenhänge zu verstehen, und es ist wichtig, sich eine solide Basis zu verschaffen. Tragfähig wird es aber erst dort, wo etwas sich auch im täglichen Training bewährt. In der Praxis zeigt sich schnell, was unter realen Bedingungen funktioniert - und was angepasst werden muss, weil der individuelle Hund doch anders reagiert als erwartet oder auch, weil der Hundeführer etwas einfach nicht glaubhaft vermitteln kann. Weil er es nicht fühlt. Oder vielleicht auch körperlich nicht umsetzen kann.
Wer Training vermittelt oder erklärt, wirkt erst wirklich glaubwürdig, wenn er etwas nicht nur schlüssig erklären, sondern auch zeigen kann, dass das eigene Arbeiten sichtbare Ergebnisse hervorgebracht hat. Nicht als Selbstdarstellung, nicht als Vergleich - sondern als Beleg dafür, dass das Gesagte schon einmal im echten Leben funktioniert hat.
Das auch deshalb, weil wir selbst unsere Arbeit nur so wirklich überprüfen können. Nur, was wir am Ende auch an Tag X auf den grünen Rasen bringen können, haben wir wirklich beigebracht.
Und nur, wenn wir Lösungen für unterschiedliche Hunde und Teams finden, können wir uns über den eigenen Horizont hinaus entwickeln. So entsteht über die Jahre ein Werkzeugkasten, der für immer mehr Probleme und Herausforderungen ein tool beinhaltet.
Erfahrung und das Auge für individuelle Eigenschaften und Bedürfnisse sind am Ende das, was über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Alles andere bleibt graue Theorie.

Teil 5 Im Hundetraining wird oft in Systemen gedacht. In festen Abläufen, klaren Schemata und Vorgehensweisen, die unabhängig vom Hund funktionieren sollen. Das gibt Sicherheit und Struktur
- und kann eine gute Grundlage sein.
Problematisch wird es dort, wo Systeme anfangen, das Denken zu ersetzen. Wo nicht mehr der individuelle Hund gelesen, sondern nur noch geprüft wird, ob er ins Schema passt. Dabei gerät schnell aus dem Blick, dass es keine einheitliche Lösung gibt, die für jeden Hund, jedes Team und jede Trainingssituation gleichermaßen funktioniert.
Hunde bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Temperament, Belastbarkeit, Motivation, Lerngeschwindigkeit - all das lässt sich nicht normieren. Genauso wenig wie die Fähigkeiten des Hundeführers. Nicht jeder kann Dinge gleich fühlen, gleich umsetzen oder unter gleichen Bedingungen trainieren. Und nicht jeder hat im täglichen Vereins- oder Trainingsalltag die gleichen Möglichkeiten.
Gutes Training entsteht dort, wo Systeme als Werkzeug verstanden werden, nicht als Schablone. Und wo Entscheidungen mit Blick auf den Hund und das Team getroffen werden, nicht nur nach dem eigenen Konzept.
Selbstverständlich gibt es gewisse Grundlagen, die universell wahr sind. Und individuelle Eigenschaften dürfen niemals als Ausrede missbraucht werden. Das berühmte "aber mein Hund kann das nicht" wird oftmals als einfacher Ausweg genutzt, um sich nicht weiter den Kopf über neue Wege zerbrechen zu müssen.
Dennoch gibt es kein gutes Training von der Stange. Es gibt nur Training, das zum Hund, zum Menschen und zu den realen Bedingungen passt.
All das zwingt uns immer wieder zur Reflexion, zum Innehalten, zum Nachdenken, dazu, neue Wege zu beschreiten und neue Ideen zu entwickeln. Nicht, weil die alten Ideen falsch sind. Sondern weil wir mit Lebewesen arbeiten - an beiden Enden der Leine. Und der Respekt vor Tier und Mensch uns immer wieder dazu zwingt, unsere Antworten anzupassen. Ohne dass wir unser Ziel aus den Augen oder den Glauben daran verlieren, dass wir dieses Ziel auch erreichen.

Teil 6 Erfolg im Hundesport beginnt nicht im Training. Es beginnt früher. Mit der genetischen Veranlagung des Hundes, mit Eigenschaften, die nicht erarbeitet, sondern vorausgesetzt werden.
Nicht jeder Hund ist für jede Aufgabe geeignet. Belastbarkeit, Nervenstärke, Arbeitsbereitschaft, körperliche Voraussetzungen und Charakter lassen sich im Training entwickeln und formen - aber sie lassen sich nicht ersetzen. Training kann fördern, stabilisieren und verbessern. Aber es kann nicht ausgleichen, was nicht vorhanden ist.
Es ist eben nicht mit jedem Hund alles möglich, nur weil er den "richtigen" Hundeführer hat. Die Mär vom "gemachten Hund" hält sich hartnäckig. Dabei ist das Problem oft eher die Unfähigkeit des Betrachters, Qualität von Ausbildung zu unterscheiden.
Zur Verantwortung im Hundesport gehört aber auch die ehrliche Einschätzung des eigenen Hundes. Wir dürfen unsere Hunde lieben und sie trotzdem unvoreingenommen bewerten.
Gutes Training bedeutet dann, mit dem zu arbeiten, was da ist. Das Potenzial des Hundes zu erkennen, realistisch einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen. Nicht mehr - aber auch nicht weniger. Das erfordert Ehrlichkeit und die Bereitschaft, den Blick auf den eigenen Hund immer wieder zu überprüfen. Es bedeutet aber nicht, einen Hund, der anders tickt, sofort aufzugeben. Qualität hat viele Gesichter und auch und gerade die schwierigen Hunde sind oft besonders wertvoll.
An dieser Stelle gebührt unseren Züchtern Anerkennung, die mit Wissen, Erfahrung und Haltung arbeiten. Die die Eigenschaften erhalten, die eine Rasse ausmachen. Die nicht Trends hinterherlaufen, sondern langfristig denken. Denen es gelingt, gute Hunde zu erkennen und ihr genetisches Potenzial zu nutzen. Ohne sie gäbe es die Hunde, mit denen wir heute arbeiten dürfen, nicht. Ohne verantwortungsvolle Zucht gäbe es keinen Hundesport - und auch keine wesensstarken Hunde, die uns im Alltag begleiten.
Ich hatte in meinem Leben schon oft das Glück, charakterstarke Hunde anvertraut zu bekommen. Dafür bin ich jeden Tag dankbar.
Kathrin Heldt

 



 
 
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